Girl Scouts at School - Lernen und leben mit allen Sinnen

Unter dem Motto "Girl Scouts at School - Lernen und leben mit allen Sinnen" beteiligt sich die Pfadfinderinnenschaft St. Georg in Schwaben, Franken und München am Modellprojekt "Jugendarbeit und Schule" des Bayerischen Jugendringes. Über einen längeren Zeitraum versuchen wir gezielt, die Mädchenarbeit der PSG inhaltlich, strukturell und räumlich als Bildungsort und -gelegenheit in verschiedenen Schulen zu verankern. Unter dem Motto „Lernen und Leben mit allen Sinnen“  soll die Schulbildung um die ganzheitliche Bildungsarbeit der PSG - Berücksichtigung von Körper, Seele und Geist - ergänzt werden. Zentrales Element ist bei allen Aktivitäten die Mädchenmitbestimmung als Arbeitsansatz und Prinzip.

Ausgangssituation

Die PSG ist schwerpunktmäßig auf Pfarreiebene aktiv. In der Arbeit in den Pfarreien erreichen wir Mädchen und junge Frauen im Alter von 6 bis ca. 27 Jahren, wobei die jüngeren Altersgruppen überwiegen. Allerdings stellen wir fest, dass die Pfarrei nicht mehr, bzw. nur noch bedingt zu den wichtigsten Lebensorten von Mädchen und jungen Frauen gehört. Deshalb will die PSG Bayern ihre Einsatzorte ausweiten auf die verschiedenen Lebensorte von Mädchen, z.B. Schule, Jugendzentrum, Behindertenheim, Aussiedlerwohnheim, Reiterhof, etc.

Schule ist nach der Familie der wichtigste Lebensort von Mädchen. Sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Hier werden Freundschaften gepflegt, die eigene Entwicklung maßgeblich beeinflusst und die Weichen für die Zukunft gesetzt. Mit dem Projekt Girl Scouts at School wollen wir neben der klassischen Pfadfinderinnenarbeit in den Pfarreien unsere Arbeit an Schulen etablieren.

Im Wesentlichen wollen wir mit Girl Scouts at School sechs Ziele erreichen:

In erster Linie geht es um die Verankerung von Pfadfinderinnenarbeit an den Schulen - sei es durch regelmäßige Pfadfinderinnennachmittage, die Eröffnung von Schülerinnencafes oder den Aufbau von Schulstämmen. Dabei spielt die Arbeitsweise der PSG eine wichtige Rolle: Wir arbeiten mit der Projektmethode, d. h. den Mädchen werden keine konsumierbaren Angebote vorgesetzt, sondern sie entscheiden und planen selbst. Das pädagogische Grundkonzept unseres Verbandes - die Projektarbeit - wird durch sechs Elemente geprägt:

- Verdeutlichen von Entscheidungssituationen

- Lernen durch Erfahrung

- Verantwortung übernehmen für den eigenen Fortschritt

- Aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt

- Zusammenleben in altersgemischten Kleingruppen innerhalb einer Großgruppe

- Raum geben zu Entfaltung schöpferischer Fähigkeiten

Durch die Kooperation von PSG und Schule soll der größtmögliche Freiraum für die Schülerinnen am Bildungsort Schulegeschaffen werden. Freiraum soll zum einen inhaltlich ermöglicht werden, indem die Schülerinnen durch aktive Mitbestimmung ihre Themen und Projekte selbst bestimmen. Zum anderen sollen an den jeweiligen Schulen eigene Räume eingerichtet werden, die von den Mädchen selbst bestimmt gestaltet und genutzt werden können. Es gibt die Idee im Schulhof unter Beteiligung der Mädchen Pavillons zu bauen, die für die verschiedenen Projektaktivitäten zur Verfügung stehen.

Im nebenunterrichtlichen Bereich wie bei Klassenfahrten, Projekttagen, etc. sollen diverse Zusammenarbeitsformen ausprobiert werden. Beispiele hierfür sind im Bereich Umweltbildung die Durchführung von Hajks (Naturerkundung), Naturerlebnisspielen, Klassenfahrten als Zeltlager, ... oder im Bereich Sexualpädagogik und Gewaltprävention die Bearbeitung von Themen mit Methoden der Jugendarbeit - Zyklusspiel, Körperreise, ... - oder gemeinsame Durchführung von Selbstbehauptungskursen.

Mädchenmitbestimmung: Die Mädchen bestimmen die Inhalte, Formen und Methoden der Zusammenarbeit weitgehend selbst. Durch Mädchenversammlungen, Einzelbefragungen sowie intensive Zusammenarbeit mit den SMVs sollen die Mädchen herausfinden lernen, was ihre persönlichen Interessen sind - "Wissen und entwickeln 'Was will ich?' " sowie Verantwortung und soziale Teilhabe in der Schule wahrzunehmen. Durch die Verankerung der PSG als Mädchenverband mit seinen demokratischen Strukturen soll die konstante Partizipation der Mädchen sicher gestellt werden.

Leiterinnenausbildung und Mediatorinnenausbildung: Die Mädchen, die bereit sind Aufgaben als Leiterinnen im Projekt zu übernehmen, sollen parallel als sogenannte "Schul-Mediatorinnen" ausgebildet werden. Hierzu wird im Rahmen des Projektes ein entsprechendes Ausbildungskonzept entwickelt und erprobt, das beide Aufgaben verknüpft. Ausgangspunkt des Gedankens ist, dass die Schulen ein Interesse an Mediatorinnen bzw. Streitschlichterinnen haben und die PSG Leiterinnen braucht. Indem Mädchen für beides ausgebildet werden, können sie die Aufgaben miteinander kombinieren bzw. wird das den Anforderungen der Praxis auch gerecht. Zum Beispiel brauchen PSG-Leiterinnen Kompetenzen im Mediationsbereich und sind als verantwortliche Leiterinnen auch 'Vertrauenspersonen' für die anderen Schülerinnen.

Letztendlich sollen insbesondere bei den Aktivitäten im nebenunterrichtlichen Bereich sowie bei der Leiterinnen-/Mediatorinnenausbildung adäquate Zertifizierungsmöglichkeiten und Formen der Anerkennung als Ergänzung zu den schulischen Formen entwickelt werden.

Wie sieht das Projekt in der Praxis aus?

Projektstruktur

Koordiniert und geleitet wird das Projekt von der Landesstelle der PSG Bayern. An jeder Schule gibt es eine hauptberufliche Mitarbeiterin auf Teilzeitbasis für die konkreten Aktivitäten und die Begleitung der ehrenamtlichen Leiterinnen. Außerdem gibt es für jeden Einsatzort ein Projektteam bestehend aus einer Vertreterin der Projektleitung, der Mitarbeiterin sowie Kontaktlehrerin und Schülerinnenvertretung. Alle am Schulprojekt Beteiligten in Bayern treffen sich mehrmals jährlich, um die gemeinsame Linie und Entwicklungen abzusprechen sowie Erfahrungen aus zu tauschen.

Die Einsatzorte

In Mindelheim in Schwaben konnten nach intensiver Vorbereitungszeit seit März 04 regelmäßige Pfadfinderinnennachmittage mit selbst organisiertem Mittagstisch, Hausaufgabenzeit und Gruppenstunden an der Maria-Ward-Realschule etabliert werden. Immer mittwochs und donnerstags treffen sich derzeit rund 20 Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren zu Gruppenstunden und gemeinsamen Nachmittagsaktivitäten. Den Auftakt bildeten ein Bunter Nachmittag im März 04 und diverse Werbeaktionen an der Schule. Neben den Gruppenstunden können alle Schülerinnen immer wieder an Aktionen wie dem bunten Nachmittag oder der Jurtenwoche teilnehmen. In den neunten Klassen finden außerdem je drei Unterrichtsstunden zum Thema „Tu was!“. Dabei werden den Schülerinnen Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung gezeigt. Außerdem steht die Bedeutung der Sozialkompetenz für das Berufsleben im Fokus der Stunden.

In Aschaffenburg in Unterfranken konnte nach intensiven Klärungsgesprächen mit Schulleitung und Schülerinnenmitverwaltung der Maria-Ward-Schule (Realschule und Gymnasium) über Art und Inhalt der Zusammenarbeit eine Tutorinnenschulung mit Schülerinnen der 8. Klassen im Juli 2004 durchgeführt werden. Auf Wunsch der SMV entwickelten die verantwortlichen Pfadfinderinnen vor Ort außerdem ein Konzept zur Schulung von Moderatorinnen, das wichtiges Element des schulinternen Projektes "Zeit für uns" darstellt. Seit Januar 2005 gibt es zudem auch an dieser Schule wöchentlich 2 regelmäßige Pfadfinderinnennachmittage. Insgesamt haben sich zum jetzigen Zeitpunkt rund 35 Mädchen verbindlich zu den Gruppen als Leiterinnen und Teilnehmerinnen angemeldet.

Desweiteren besteht eine intensive Kooperation mit der staatlichen Mädchenrealschule. Seit November werden dort regelmäßig Pfadfinderinnengruppen für über 40 Mädchen an drei Nachmittagen in der Woche angeboten und es sind diverse Kooperationen im unterrichtlichen Bereich in Planung. Angedacht ist zum Beispiel, die Leiterinnenausbildung als Unterrichtselement in den sozialen Zweig zu integrieren. Grundsätzlich besteht an dieser Schule ein sehr großes Interesse sich auf die vielfältigen Bestandteile unseres Projektes einzulassen. An einem offenen bunten Nachmittag mit vielfältigem kreativen Angebot nahmen bis zu 70 Mädchen teil. In den Herbstferien konnten bereits 7 Schülerinnen eine Leiterinnenausbildung bei der PSG mitmachen. An dieser Schule gibt es sogar ein Überangebot an Leiterinnen, so dass im Januar 2005 Gespräche mit dem benachbarten Gymnasium laufen, um dort noch Mädchen für weitere Gruppen zu werben.

In Nürnberg in Mittelfranken besteht seit nunmehr 10 Jahren eine Kooperation mit den Maria-Ward-Schulen, an welcher der Schulstamm sich längst zu einer Institutaion etabliert hat und anlässlich seines Jubiläums zu Pfingsten 2016 ein Stammeslager mit allen Altersstufen veranstalten konnte.

An der Theresa Gerhardinger Realschule in München finden seit 2008 regelmäßige Gruppenstunden statt.

Girl Scouts at School und Schule bereichern sich gegenseitig

Die Praxis der vergangenen Projektjahre zeigt, dass es eine Reihe an Vorarbeiten braucht, um die Kooperation mit der jeweiligen Schule beginnen zu können. Vor der Entscheidung welche Schule als Kooperationsschule in Frage kommt, sind diverse Recherchearbeiten notwendig, bei denen unter anderem die folgenden Fragen geklärt werden müssen: "Wo gibt es Mädchenschulen?", "Welche Angebote an Jugendarbeit gibt es bereits an dieser Schule?", "Wie kann Kontakt zur Schule, zur Schulleitung, zur SMV und zu einzelnen Lehrerinnen hergestellt werden?", "Welche Vorerfahrungen in der Zusammenarbeit von Jugendarbeit und Schule sind vorhanden?", "Wie kann die Zusammenarbeit mit der PSG vor Ort abgedeckt werden?"

Es zeigt sich, dass es sinnvoll ist, wenn einzelne Lehrer/innen konkret von der Schulleitung als Kontaktpersonen für das Projekt benannt werden. Diese können dann inhaltlich in die einzelnen Projektschritte und in die Projektteams mit eingebunden werden und den Kontakt zur Schulleitung halten bzw. leichter herstellen. Außerdem stehen sie als Ansprechpersonen für die Projektmitarbeiterinnen zur Verfügung und können durch ihre Kenntnis des Schulablaufes hilfreiche Unterstützung (z.B. Absprachen mit Hausmeister, Vorstellung im Lehrerkollegium, Ideen zur Werbung, inhaltliche Notwendigkeiten) leisten.

In Aschaffenburg hat sich herausgestellt, dass auch eine inhaltliche Zusammenarbeit bzw. ein klares Interesse der Schülerinnenvertretung den Zugang zur Schule und die grundsätzliche Bereitschaft der Schulleitung wesentlich unterstützt. Auch kann hierdurch sehr gut am Bedarf der Schülerinnen entlang gearbeitet werden.

Insbesondere an der MWS in Aschaffenburg war die Suche nach einem geeigneten Raum eines der großen Hindernisse für einen früheren Projektbeginn. Erst die Zusammenarbeit mit der SMV ermöglichte die Nutzung von deren Räumen für die Projektaktivitäten. Aber auch in Mindelheim ist die Raumfrage schwierig. Es kann zwar grundsätzlich der Raum der Schülerzeitung genutzt werden, dieser eignet sich allerdings wegen der kleinen Größe nur für einige Aktivitäten. Die Nutzung der Schulküche ist immer wieder durch Verschiebungen im Lehrplan schwierig, und die Nutzung sogenannter Meditationsräume wird oft von den Orden nicht gerne gesehen, da diese als "heilige" Räume betrachtet werden.

Folgende Formen der Beteiligung von Schülerinnen, Lehrerinnen, SMV und Eltern fanden bislang statt bzw. sind geplant:

- Ausführliche Bedarfs- und Situationsanalyse für die jeweiligen Schulen

- Vorstellen des Projektes und der verschiedenen Angebote in den Klassen

- Einzelgespräche mit Schulleitung, Lehrern, Schülerinnen, SMV und Elternvertretungen

- Vorstellung des Projektes in Lehrerkonferenzen und an Elternabenden

- Planung gemeinsamer Bildungseinheiten in direkter Abspreche mit der SMV, bzw. Lehrern oder Schulleitung

- Planung der Gruppenaktivitäten gemeinsam mit den Mädchen

- Auswertung der Ergebnisse im Projektteam und Projekttreffen (Entscheidung und Planung einzelner Maßnahmen und des weiteren Vorgehens, bzw. der weiteren Schwerpunktsetzung)

Es empfiehlt sich, dass die Schulleitung zwar die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert und das Gesamtkonzept mit dieser abgestimmt ist, die operative Arbeit dann allerdings an die zuständigen Lehrkräfte zurück gebunden wird. Die Erfahrung zeigt, dass die Schulleitungen zwar großes Interesse an einer Zusammenarbeit haben, aber für Detailabsprachen zu wenig Zeit haben.

Da die PSG zwar über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen verfügt, bislang aber keine festen Gruppen an Schulen hatte, ist es notwendig, innerhalb der PSG eine Auseinandersetzung darüber zu führen, was das Engagement an Schulen für die Struktur, Arbeitsweise und Inhalte der PSG bedeutet. Zum Beispiel gab es eine längere Diskussion um den Mitgliedsbeitrag der PSG, welcher normalerweise jährlich eingezogen wird. Für die Beteiligung an den Pfadfinderinnennachmittagen an der Schule wurde nun - auf das Schuljahr zugeschnitten – probeweise ein Halbjahresbeitrag eingeführt.

Desweiteren stellt sich für die PSG die Grundsatzfrage, inwieweit an Realschulen das Prinzip der rein ehrenamtlichen Gruppenleitung aufrechterhalten werden kann, da die Mädchen ja bereits nach der 10. Klasse die Schule verlassen. Somit beginnt bei dem Schulprojekt die Leiterinnenausbildung mit Mädchen ab 13/14 Jahren. In der PSG gilt bislang der Grundsatz, dass Leiterinnen mindestens 16 Jahre alt sein müssen. Die jüngeren Leiterinnen an den Schulen brauchen deshalb eine erwachsene Begleitung bzw. muss überlegt werden, wie die Leiterinnen auch nach dem Schulabschluss motiviert werden können, weiterhin als Leiterinnen der PSG tätig zu sein.

Geplant ist ferner der Abschluss von schriftlichen Verträgen mit den Schulleitungen über eine dauerhafte Zusammenarbeit, um die Zusammenarbeit formal abzusichern und zu verankern.

Insgesamt kann schon jetzt gesagt werden, dass das Projekt Girl Scouts at School ein voller Erfolg ist, und unser Angebot - Jugendarbeit an die Schulen zu bringen - besonders von den Mädchen mit offenen Armen angenommen wird.

Unser Angebot wird von den meisten Schulen gerne akzeptiert, da wir mit ganz konkreten Angeboten, einem klaren Konzept sowie begrenztem Personal und Finanzmitteln an die Schulen kommen. Wir bieten den Schulen eine Bereicherung in der Nachmittagsbetreuung sowie in der Kooperation im Bildungsbereich, die von den Schulen selbst nicht oder nur bedingt geleistet werden kann.



Pfadfinderinnen in Bayern - PSG Landesstelle - Werde Pfadfinderin! - Pfadfinder in Bayern